|
1. Rückblick und Vorstandsarbeit
Auch in diesem Jahr war die Rabbinersuche der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) ein zentrales Thema der gemeindepolitischen Aktivitäten von Ofek. Nachdem keiner der Rabbiner, welche vom IGB-Vorstand vorgeschlagen wurden, das absolute Mehr erreichte, beteiligte sich Ofek aktiv an der Lösung der anstehenden Probleme. Ofek-Vorstandsmitglied Marcel Lang wurde in die neue Rabbinersuchkommission gewählt, welche ein breites Spektrum der Gemeinde repräsentiert. Auch die IGB-Ersatz- und Gesamterneuerungswahlen haben den Vorstand beschäftigt. Dabei zeigte sich immer wieder ein zentrales Problem des Vorstands – und auch von Ofek insgesamt: Die personellen Kapazitäten sind eng begrenzt. Häufig stehen wir im Spannungsfeld zwischen wünschbaren und möglichen Aktivitäten und Engagements. Ein Schritt, dieses Problem zu entschärfen, ist die Auslagerung verschiedener Aufgaben (Administration, Catering ) respektive deren Professionalisierung.
2. Religiöse Aktivitäten
2. 1. Gebetsvorbereitungsgruppe
Die Zusammensetzung der Gebetsvorbereitungsgruppe hat sich im Jahr 2001 verändert. Anstelle von
Thomas Bollinger konnten wir Ora Mendelberg als neues Mitglied gewinnen. Zusammen mit den Bisherigen Bracha Goldberger, Valérie Rhein und Marcel Lang sind wir somit wieder vier Leute. Im Jahr 2001 fanden 13 Gottesdienste statt, davon acht an einem Freitag Abend und fünf am Schabbat oder Feiertag Morgen. Drei Mädchen feierten ihre Bat Mitzwa und ein Knabe seine Bar Mitzwa bei uns. Der Gottesdienst bei Ofek findet jeweils unter aktiver Beteiligung zahlreicher Männer und Frauen statt. Zum ersten Mal fand im Sommer an einem Freitag Abend ein Kabbalat-Schabbat-Gottesdienst statt, der sich speziell an Kinder richtete. Auch dieses Jahr vergrösserte sich der Kreis jener Leute, die einen Teil des Gottesdienst gestalten. Leider haben wir noch immer kein eigenes oder zumindest festes Lokal (was sich mit Blick auf das Vereinsjahr 2002 mit den neuen ständigen Räumlichkeiten im Quartierzentrum Bachletten ändert).Am Tag vor Jom Kippur durften wir unser eigenes Sefer Tora in Empfang nehmen. Den Kauf der Torarolle ermöglichten drei Spender. Das Sefer Tora wurde 1911 in Polen geschrieben und gelangte später nach England.
2.2. Lernen: Kurse, Schiurim und Lerntag Jom Ijun
Themen aus den verschiedensten Bereichen des Judentums standen im Mittelpunkt von Schiurim und weiteren Lernveranstaltungen. Sharon Alexander Dreyfus lehrte in einem mehrteiligen Kurs Erev-Schabbat-Lieder. Pessach war das Thema eines Schiurs von Marcel Lang («Lieder und Geschichten der Haggada») sowie von Rabbiner Joseph S. Wernik, Präsident von Masorti Olami/Conservative Movement International, der Ofek im März besucht hatte («Die Pessach-Haggada»). Gesa Shira Ederberg aus Jerusalem führte an zwei Abenden in die Technik der Chawruta (Lernen in Zweiergruppen) ein. Die Referentin stellte zu den Themen «Tora vom Sinai – Tora für heute» und «Halacha und Demokratie» jeweils Texte aus der Tora, aus der rabbinischen Literatur sowie moderne Texte zusammen. In einem weiteren Schiur führte sie in den Talmud ein. In die Bedeutung von Pflanzen in den jüdischen Quellen und im Alltag des Judentums und anderen Religionen führte Richard Ernst, Badenweiler, ein. Der zweiteilige Kurs war mit einem Besuch im Botanischen Garten verbunden.Auf dem Modell von «Limmud» in England (vgl. www.limmud.org) basierte der erste Jom Ijun (Lerntag), der am 24. Juni 2001 in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Gemeinde Basel durchgeführt wurde. Insgesamt neun verschiedene Schiurim aus den Themenbereichen Tora, Midrasch, Liturgie, Chawruta und Politik standen auf dem Programm des eintägigen Lernens. Über 100 Personen aus Basel, Zürich, Genf, Süddeutschland und weiteren Ortschaften besuchten Jom Ijun und stellten sich ihr individuelles Programm à drei Schiurim zusammen. Die Referentinnen und Referenten – Edward Badeen, Adina Ben-Chorin, Alfred Bodenheimer, Michel Bollag, Steffi Bollag, Peter Dreyfus, Marcel Lang, Esther Kontarsky, Eva Pruschy-Gregor und Pierre Weill – kamen aus Basel, Zürich und Berlin. Im Jahr 2002 wird eine Zweitauflage von Jom Ijun stattfinden (Sonntag, 26. Mai).
3. Kulturelle Aktivitäten
Obwohl die Arbeitsgruppe Kultur von grösseren personellen Ab- und Zugängen betroffen war, konnten zwei interessante Veranstaltungen durchgeführt werden: eine zum 100. Jahrestag von Rose Ausländer und eine zum Thema Judentum und Arbeiterbewegung. Ferner nahm ein Delegierter von Ofek am Treffen der Kulturverantwortlichen der SIG-Gemeinden teil. Die Kulturgruppe ist daran, sich klare und strukturierte Aufgaben zu setzten und diese in ein Aktivitätenprogramm umzusetzten. Die Zusammenarbeit mit Gruppen ähnlicher Zielsetzung wird dabei auch ein Thema sein.4. Kinderbunt
Neu hat sich im Berichtsjahr die Gruppe Kinderbunt gebildet. Sie soll Kindern im Vorkindergartenalter und deren Eltern Gelegenheit zu Begegnung und Austausch bieten. Mittlerweile treffen sich in den Räumen des jüdischen Kindergartens jeweils zwischen vier und sechs Eltern mit ihren Kindern. Eine rege Teilnahme gab es auch am Schabbat-Morgen-Brunch der Gruppe im Quartierzentrum Bachletten.
5. Ausblick
Der Verein Ofek versteht wird sich weiterhin als wichtiger Teil des religiösen, kulturellen und politischen jüdischen Lebens in Basel. Dabei ist es wichtig, die vorhandenen Kräfte sinnvoll zu nutzen und neue Aktive dazuzugewinnen. Wir hoffen, dass es in der Rabbinerfrage zu einer in der Gemeinde breit abgestützten Lösung kommen wird. Ofek wird sich auch weiterhin in eigener Sache mit grundsätzlichen Fragen religiöser und politischer Art auseinandersetzen müssen. Diese Debatte, welche durch die «Tagespolitik» immer wieder verdrängt wurde, kann auch neue Impulse für Zukunft von Ofek geben.
Das Co-Präsidium von Ofek:
Valérie Rhein und Thomas Bollinger Herzka
Basel, 29. April 2002
|