Jahresbericht 2002
1. Rückblick und Vorstandsarbeit
Die Mitwirkung bei der Rabbinersuche der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) bildete im Jahr 2002 den Schwerpunkt der gemeindepolitischen Aktivitäten von Ofek. Nachdem es uns mit Hilfe anderer Gruppierungen gelungen war, ein neues Suchverfahren in Gang zu setzen, wurde die Rabbinersuchkommission (Rasuko) neu gebildet.
Für Ofek nahm Marcel Lang in der Rasuko Einsitz. In aufwändiger Arbeit wurden zwei Kandidaten gefunden. Der Vorstand von Ofek konnte sich beide Kandidaten als Rabbiner der IGB vorstellen. Aus diesem Grund verzichtete Ofek auf eine Wahlempfehlung und forderte die Mitglieder auf, zur Urne zu gehen. Schliesslich wurde Rabbiner Arie Folger mit 73 Prozent zum neuen Gemeinderabbiner gewählt. Wir wünschen ihm in seinem Amt viel Mut und Sensibilität und uns eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Rabbiner.

2. Religiöse Aktivitäten

2. 1. Gebetsvorbereitungsgruppe
Drei Spender ermöglichten Ofek im Herbst 2001 den Kauf eines eigenen Sefer Tora. Dieses wurde am Sonntag, 20. Januar 2002 im Quartierzentrum Bachletten feierlich eingeweiht. Elf Kinder und Jugendliche hatten eigens für die neue Torarolle ein Stoffband bemalt, das, bevor es nach dem Vorlesen aus der Tora zum ersten Mal für das Einwickeln der Torarolle benützt wurde, von den 60 Gästen der Einweihungsfeier bewundert werden konnte. Alle sechs Jugendlichen, die bisher im Rahmen von Ofek Batmizwa oder Barmizwa gefeiert hatten, lasen aus der Tora vor. Einblicke in die Entstehung einer Torarolle und persönliche Gedanken zur Tora rundeten die Einweihungsfeier ab. Das Sefer Tora von Ofek wurde 1911 im Andenken an Tova Rottenberg in Polen geschrieben und vor dem Zweiten Weltkrieg nach England gebracht. Dort kam es in den Besitz der Familie Lowenstein und wurde in diversen Synagogen Londons benützt, bis es nun nach Basel gelangt ist. Den Spendern sei an dieser Stelle nochmals ganz herzlich gedankt.
Im Jahr 2002 fanden 13 Gottesdienste statt, neun an einem Freitag Abend und vier an einem Schabbat- oder Feiertagmorgen. Am 2. März wurde eine Batmizwa gefeiert. Die Gestaltung des Gottesdienstes bei Ofek wurde von zahlreichen Männern und Frauen sowie auch von einigen Jugendlichen durchgeführt oder mitgestaltet. Ofek heisst stets neue aktive Personen, ganz besonders Jugendliche, zur Gestaltung des Gottesdienstes willkommen.
Die Zusammensetzung der Gebetsvorbereitungsgruppe hat sich im Sommer 2002 verändert: Anstelle von Valérie Rhein, die Basel für ein Jahr verlassen hat, um sich in Stockholm jüdischen Studien zu widmen, arbeitete fortan Emily Silverman mit. Somit formiert sich die Gruppe aus Bracha Goldberger, Marcel Lang, Orah Mendelberg und Emily Silverman. Für die Kidduschim im Anschluss an die Gottesdienste zeichnen Corinne Kind Hofmann, Fränzi Weinberger und Brigitte Spielmann verantwortlich.
Ein Mietvertrag mit dem Quartierzentrum Bachletten QuBa garantiert uns die Nutzung eines grosszügigen und vorerst festen Raumes für die Gottesdienste. Angrenzend an diesen offeriert eine weitere Räumlichkeit die Möglichkeit, ein Büfett für den Kiddusch zu gestalten. Nach vielen beschwerlichen Umzügen haben unsere Siddurim, Chumaschim, das Sefer Tora und andere Utensilien hier eine verschliessbare und vorerst feste «Heimstätte» gefunden.
Zu Chanukka fand sich eine erfreuliche Anzahl von Personen zusammen, um dieses Fest zu feiern. Ein ausgezeichnetes milchiges Büfett erfreute alle Gaumen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Organisatorinnen, denen es immer wieder gelingt, die beste Challa für den Kiddusch bereitzustellen und anschliessend den Tisch mit reichlich verführerischen Häppchen zu decken.

2.2. Lernen: Kurse, Schiurim und Lerntag Jom Ijun
Ein zweiteiliger Kurs von Marcel Lang Anfang Jahr führte in Ablauf, Gestaltung und Leitung von Kabbalat-Schabbat- und Schabbatmorgen-Gottesdiensten ein. Drei eigens für diesen Kurs erstellte Ofek-Lern-CDs ermöglichte den Teilnehmenden, Zuhause die Melodien zu hören und zu üben.
Einmal im Monat treffen sich zwischen 15 und 30 Personen zu einem Schiur. In der ersten Jahreshälfte wurden diese von Rabbiner Michael Goldberger, Zürich, geleitet. Unter dem Motto «Was sagt das Judentum zu...?» führte der Referent anhand von Quellentexten unter anderem in die Themen Auserwähltheit, Abtreibung, Übertritt zum Judentum und Nächstenliebe ein. Nach den Sommerferien begann der Schiurzyklus «Die Feiertage in Mischna, Midrasch und Ritus». Drei Referierende - Susanne Plietzsch, Rabbiner Michael Goldberger und Marcel Lang - beleuchten die Feiertage aus verschiedenen Perspektiven. Der Zyklus dauert bis August 2003.
Am 26. Mai 2002 fand, wie schon im Jahr zuvor, ein Jom Ijun (Lerntag) statt. Dieser wurde wiederum in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Gemeinde Basel organisiert. Im Organisationsteam arbeiteten auch Mitglieder aus Gemeinden von Bern und Zürich mit. Mehr als 120 Personen nahmen am Lerntag teil. Die neun Referentinnen und Referenten - Almut Sh. Bruckstein, Michael Goldberger, Evi Guggenheim Shbeta, Esther Kontarsky, Hanna Liron, Thomas Lyssy, Jacques Picard, Raphael Pifko, Miriam Rosenthal - kamen aus Basel, Zürich und Berlin (vgl. Programm und Rückblick unter http://www.ofek.ch/jomijun.html). Ziel der Lernveranstaltung ist es, Leute mit unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichem Vorwissen zu einem gemeinsamen Lernen rund um jüdische Themen zusammenzuführen. Der integrative und verbindende Charakter von Jom Ijun ist für das Vorbereitungsteam ein wesentliches Merkmal der Veranstaltung. Jom Ijun wird es auch 2003 wieder geben. Auf vielfachen Wunsch wird die Veranstaltung auf das Winterhalbjahr gelegt und findet am Sonntag, 16. November 2003 wiederum in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Gemeinde Basel statt.

3. Kulturelle Aktivitäten
Am 13. Januar hat Ofek in Zusammenarbeit mit Emuna und Jew.point: eine Vorpremiere des Films «Promises» im Kino Camera organisiert. Der Film porträtiert israelische und palästinensische Kinder und Jugendliche und vermittelt eindrückliche Einblicke in die Problematik, Brücken zwischen den beiden Kulturen zu bauen.
Nach einer Pause hat sich die Kulturgruppe im November 2002 neu konstituiert. Sie setzt sich aus Rolf Stürm (Leitung), Meret Gutmann und Eva Sternküker zusammen. Die Kulturgruppe strebt an, Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Bildungskommission der Israelitischen Gemeinde Basel, der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft beider Basel und den Christlich-Jüdischen Projekten anzubieten. Die ersten beiden Veranstaltungen in dieser Organisationsform fanden im Mai 2003 statt (Tamara Adler: Jüdische Identität in der Postmoderne. Auf der Suche nach einer neuen Definition; Astrid Starck: Der Wandel der Identität jüdischer Frauen im Märchen. Das jiddische Märchenbuch [Mayse bukh] von 1602 [Druck in Basel]).

4. Kinderbunt
Ziel der Gruppe «Kinderbunt» ist es, Kindern im Vorkindergartenalter und deren Eltern Gelegenheit zu Begegnung und Austausch zu ermöglichen. Alle zwei Wochen jeweils am Mittwoch Nachtmittag treffen sich Mütter und Väter mit ihren Kindern.

Das Präsidium von Ofek:
Valérie Rhein und Catherine Fürst Basel, 16. Juni 2003