Moses hatte sich einst eine «Fremde» zur Frau genommen und mit ihr Kinder gezeugt, und die Könige David und Salomon haben es ihm gleichgetan. Waren diese Beziehungen frühe sogenannte «Mischehen»?
Wie äusserten sich die Autoren der rabbinischen Literatur zu Ehen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Männern und Frauen? Und wie begegnen Gemeinden wie die IGB zu Beginn des 21. Jahrhunderts der wachsenden Zahl interreligiöser Ehen? Wie leben und gestalten Jüdinnen mit nichtjüdischem Partner und Juden mit nichtjüdischer Partnerin ihr Judentum, und wie erziehen sie ihre Kinder? Diesen Fragen widmet sich der dreiteilige Zyklus zum Thema «Mischehen».
Themenübersicht
Sogenannte «Mischehen» in Tora und Talmud
«Mischehen» aus der Sicht einer jüdischen Gemeinde
Jüdische Identitäten im Umfeld von «Mischehen»
Sogenannte «Mischehen» in Tora und Talmud
Die Tora verbietet es, Männer und Frauen aus sieben namentlich erwähnten Völkern zu heiraten, und auch die biblischen Bücher Esra und Nechemia enthalten kritische Aussagen zur Ehe mit «Fremden». Wie interpretierten die rabbinischen Gelehrten diese biblischen Texte? Und wie regelten sie die Ehe zwischen jüdischen und nichtjüdischen Männern und Frauen?
Michel Bollag leitet gemeinsam mit Hanspeter Ernst und Rifa'at Lenzin das Zürcher Lehrhaus. Zu seinen Themenschwerpunkten gehören jüdische Spiritualität und Gebetspraxis sowie jüdische Religionsphilosophie.
«Mischehen» aus der Sicht einer jüdischen Gemeinde
Weltweit sind jüdische Gemeinden mit einer wachsenden Zahl interreligiöser Ehen konfrontiert. Während die Kinder einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters halachisch als jüdisch gelten und leicht integriert werden können, stellen Kinder mit jüdischem Vater und nichtjüdischer Mutter die Gemeinden vor Herausforderungen. Wie begegnet die IGB Mitgliedern, die sich in einer solchen familiären Situation befinden? Welche Möglichkeiten haben in Basel die Kinder eines Juden und einer Nichtjüdin, Judentum zu erfahren und zu leben, wenn sie sich selbst mit dem Judentum identifizieren und einen Weg in die jüdische Gemeinschaft suchen?
Guy Rueff hat an der Universität Basel Nationalökonomie studiert und ist in einer eigenen Vermögensverwaltungsfirma tätig. Seit Juni 2008 ist er Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) und seit 1988 Präsident des Jüdischen Turnvereins JTV Basel.
Jüdische Identitäten im Umfeld von «Mischehen»
Wie leben sich als jüdisch empfindende Personen, die aus einer sogenannten «Mischehe» stammen oder sich in einer solchen Partnerschaft befinden? Wie definieren und praktizieren sie Judentum? Welche Elemente des Judentums werden im Spannungsfeld einer gemischt jüdisch-nichtjüdischen Herkunft oder Partnerschaft als identitätsbestimmende Merkmale erfahren und was wird wie an die nächste Generation weitergegeben? Im Rahmen des Forschungsprojekts «Religionswandel und gesellschaftspolitische Orientierungen der Juden in der Schweiz» (NFP 58) hat Madeleine Dreyfus Gespräche mit Betroffenen geführt. Sie stellt Zwischenergebnisse ihrer wissenschaftlichen Untersuchung vor.
Madeleine Dreyfus hat an der Universität Zürich Anthropologische Psychologie, Sozialpsychologie, Literaturkritik und Sonderpädagogik studiert. Sie arbeitet als Psychoanalytikerin und Supervisorin in eigener Praxis in Zürich.
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