| Schiurim 2010 I: "Nichts Menschliches nenne ich mir fremd" |
|
"Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches nenne ich mir fremd" (Terenz, Rom, 2. Jh v.d.Z.) Das Judentum grenzt sich aufgrund der Tora in vielen Hinsichten von „Fremdem, Fremdartigen, Befremdlichen“ ab. Was galt und was gilt als fremd? In wie weit war und ist immer noch Abgrenzung von „Fremdem“ wesentlich für das Judentum? [PDF: HIER]
Homoerotik in jüdischen Gedichten von al-Andalus (Spanien 10-12. Jh). Dichtung oder Wahrheit? Die sinnlichen Gedichte bewundern die Schönheit junger Männer und beschreiben in ihren Bildern das, was die damalige arabo-jüdische Kultur unter „Liebe“ verstand. War diese Liebe nur fiktiv oder wurde sie auch ausgeübt? Offenbar gab es ein Lesepublikum, das auf die homoerotischen Bilder ansprach und sie goutierte – Homoerotik wurde wahrscheinlich nicht nur fiktiv gelebt. Dr. Meret Gutmann-Grün, geboren 1949 in Basel, Lizentiat in Klassischer Philologie, Studium der Judaistik in Jerusalem/Luzern/Basel, 2006 Promotion über das Frauenbild „Zion“ in mittelalterlicher jüdischer Poesie. Sie unterrichtet an der GGG Basel Ivrith, Latein, Griechisch. Jiddische Mayse (Geschichte) und jiddisches Theaterstück: Homosexualität zwischen Tabuisierung und Rebellion Die negative Erwähnung der Homosexualität in der frühen Mayse-Literatur einerseits und die bewusste Einführung dieser Problematik in das moderne jiddische Theater andrerseits beweist deren Vorhandensein und lässt dieses Phänomen je nach Zeitalter entweder als Tabuisierung oder als Rebellion erscheinen. Wichtig ist, dass es trotz allem zum Ausdruck kommt. Prof. Dr. Astrid Starck, Studium der Germanistik in Strassburg, und Promotion über Ingeborg Bachmanns Roman „Malina“; Studium der Jiddistik in Oxford und Trier und Habilitation an der Sorbonne. Erster Lehrstuhl für Jiddistik an der Universität de Haute Alsace. Lehrauftrag an der Universität Basel. Der, Die, Das Fremde: Franz Rosenzweig und die Bedeutung des Fremden für das Judentum Der Vortrag möchte anhand der Philosophie Franz Rosenzweigs die Bedeutung des Fremden für jüdische Philosophie und Theologie erwägen. Das Referat orientiert sich an einer 2006 erschienen Studie „Der, Die, Das Fremde. Juden und jüdische Religion als Paradigma des Fremden“. „Was bedeutet die Fremdheit der Fremden für unser Leben?“ fragt sich dort Korbinian Spann (p. 85), und berührt damit im weitesten Sinn die Frage von jüdischer Identität, Diaspora und Heimat.Die Bedeutung des Fremden wird im Hauptwerk Rosenzweigs, dem „Stern der Erlösung“, anhand der drei Kategorien „der, die, das Fremde“ aufgezeigt und interpretiert. „Der Fremde“ ist die fremde Person, der Andersdenkende, der Nichtjude und der Nichtchrist. „Die Fremde“ steht für einen fremden Ort wie die Diaspora, aber auch für das gelobte Land. „Das Fremde“ entspricht der Fremderfahrung, die in der Offenbarung zu finden ist. Diese drei Kategorien korrespondieren mit den im „Stern der Erlösung“ zentralen Begriffen „Mensch“, „Welt“ und „Gott“. Dr. Korbinian Spann, München, hat Judaistik, Philosophie, Geschichte und Politwissenschaften in Augsburg, Freiburg i.Brsg. und Harvard studiert. Der Schwerpunkt seiner Studien war die Beschreibung und Wahrnehmung der Fremden im Judentum und der Juden als Fremden. Seine Promotion (2009) behandelt die unterschiedlichen Begriffe für Fremde in der rabbinischen Literatur. Mischehen – am Rand der jüdischen Gesellschaft? Sind der jüdische und nichtjüdische Teil sowie die Kinder einer Mischehe Fremde innerhalb des Judentums? Verschärft sich der Blick vom Rande her auf die jüdische Gemeinschaft? Können Ofek, IGB und Migwan dies als Potenzial nutzen? Dr. Brigitta Rotach studierte Theologie in Zürich, Rom und Tübingen. Langjährige Arbeit als Redaktorin und Moderatorin beim Schweizer Fernsehen in der Redaktion Sternstunden. Zur Zeit Gesprächsleiterin für Sternstunde Religion und ab 1. Januar 2010 Koordinatorin der Sigi Feigel-Gastprofessur an der Universität Zürich mit einem eigenen Forschungsprojekt in vergleichender Religionswissenschaft. |
|||||||||||||||